Sonntag, 27. November 2011

* Rezension * Maggie Stiefvater - Ruht das Licht


Ruht das Licht - Maggie Stiefvater
  
 
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten 
Verlag: Script5 
Originaltitel: Linger 
ISBN: 978-3839001189
Preis: 18,90€

Meine Bewertung: 9/9 Punkte








One thousand ways to say good-bye
One thousand ways to cry
One thousand ways to hang your hat before you go outside


Inhalt
Sam hat es geschafft und den Wolf in sich hinter sich gelassen. Ein langes glückliches Leben gemeinsam mit Grace, davon träumt er. Doch plötzlich leidet seine Freundin an einer merkwürdigen Krankheit und die Ärzte können sich keinen Reim darauf machen, was mit dem 17-jährigen Mädchen los ist. Sam und Grace ahnen jedoch beide, dass es die Wölfe sind, die sie in den Wald rufen.
Auch Isabel und der neue Wolf Cole spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist und helfen bei der Suche nach einer Lösung für das Problem. Sam ist sich dennoch sicher, dass er Grace bald endgültig verlieren wird.

Kritik
Ich war schon von „Nach dem Sommer“ mehr als begeistert. Die Geschichte rund um Sam und Grace hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen.
Nun habe ich endlich die Fortsetzung gelesen und musste schweren Herzens das Buch nach der letzten Seite zuklappen. Es ist so traurig gewesen!
Was mich besonders begeister hat an „Ruht das Licht“, war die Tatsache, dass die Geschichte aus vier verschiedenen Perspektiven geschildert wurde. Die von Sam, Grace, Isabel und dem neuen Wolf Cole. So hat man einen Einblick in die Gefühlswelt aller drei Charaktere bekommen und mehr über das Wolfsdasein von Cole gelernt.
Cole war in seinem früheren Leben der Leadsänger einer erfolgreichen Rockband. Doch um endlich einen Ausweg aus diesem verkorksten Leben zu finden, hat er sich von Beck zu einem Wolf verwandelt lassen. Sein Problem liegt aber darin, dass er es nichtschafft auf Dauer in seiner Wolfsgestalt zu bleiben. Er sehnt sich nichts lieber, als durch die Form eines Wolfes alles um sich herum zu vergessen und seine Erinnerungen an damalige Zeiten zu verdrängen. Doch es scheint nicht so einfach zu sein, wie er zunächst angenommen hat.
Wir lernen ebenso sehr viel über Isabel. Schon in Teil 1 der „Wolves of Mercy Falls“-Reihe hatte sie eine kleine Rolle als Schwester von Jack, der leider gestorben ist, da das Heilmittel gegen das Wolfsgen bei ihm nicht angeschlagen hat.  Isabel ist ein Mensch, der sich gerne hinter einer Fassade versteckt. Anstatt ihre Gefühle zu zeigen, verkriecht sie sich in ihrem Schneckenhaus und scheint kaum jemanden wirklich an sich heranzulassen. Natürlich liegt das auch daran, dass nicht viele Menschen über die Identität der Wölfe Bescheid wissen. Als sie Cole kennenlernt vertraut sie sich ihm an und lernt somit sich den Menschen auch zu öffnen und ihnen zu vertrauen.
Isabel und Cole fand ich in diesem Werk wirklich einmalig. Ich habe beide Charaktere sofort ins Herz geschlossen. Zwar ist Isabel oft ziemlich abweisend und wirkt kaltherzig, doch dadurch dass man als Leser über ihre Vergangenheit Bescheid weiß, fühlt man mit ihr mit. Gemeinsam mit Cole bildet sie ein unschlagbares Team, da beide einen sehr hohen Intellekt besitzen und so ein paar großartige Ideen aufbringen, wie man Grace helfen kann.
Dass Grace Sam überalles liebt spürt man in jedem einzelnen Satz. Auch wenn sie nicht oft die drei Worte über die Lippen bringt, so weiß er, wie sie für ihn fühlt. Zum Geburtstag hat sie ihm ebenfalls ein wundervolles Geschenk gemacht, da sie weiß, wie gerne er Songtexte schreibt und singt. Wie auch schon in „Nach dem Sommer“, sind in diesem Band einige von Sams selbstgeschriebenen Texten, die so tiefsinnig und berührend sind, dass sie einem beim Lesen sofort unter die Haut gehen.
Währenddessen geht es Grace immer schlechter, sie hat hohes Fieber und Magenschmerzen, sodass ihre Eltern sie eine Nacht ins Krankenhaus bringen, die Ärzte jedoch nichts feststellen können.
Die gesamte Zeit über spürt Grace, was mit ihr los ist. Sie hört das Heulen der Wölfe im Wald, wie sie sie anflehen endlich ein Teil von ihnen zu werden. Sie spürt plötzlich eine noch stärkere Verbundenheit mit dem Wald, als sie ihr gesamtes Leben über gespürt hat. Krampfhaft versucht sie Sam dies nicht zu zeigen, denn sie wünscht sich nichts sehnlicher, als für immer mit ihm zusammen zu sein. Schon immer hat sie ihn geliebt, auch als er noch ein Wolf war.
Doch auch ohne, dass Grace ausspricht, was sie denkt, weiß Sam schon längst was mit ihr los ist. Er versucht seine Traurigkeit zu unterdrücken und einfach normal weiterzumachen, als wäre alles in Ordnung. Dies tut er um an Grace Seite zu sein und ihr zu zeigen, dass er immer für sie da sein würde.

Das gesamte Buch über hatte ich das Gefühl, dass mich die Trauer gleich übermannen würde und ich beginnen würde zu weinen. Als Leser weiß man eigentlich von Anfang an, wie diese Geschichte ausgehen wird, schließlich gibt es noch einen dritten Teil. Dennoch gab es einige unerwartete Wendungen.
Maggie Stiefvater hat so viele Emotionen in „Ruht das Licht“ gelegt, wie ich selten in einem Buch gelesen habe. Die Liebe zwischen Sam und Grace wirkt so realistisch und erwachsen. Obwohl beide noch so jung sind, wissen sie, auf was es im Leben ankommt und spüren eine starke Verbundenheit zu einander. An keiner Stelle wirkte ihre Beziehung unreif und kindisch, denn es geht den beiden schlichtweg darum immer füreinander da zu sein und dem jeweils anderen sein vollstes Vertrauen schenken zu können.
Die Charaktere haben mich schon in Band 1 vollkommen überzeugen können, doch in diesem Teil geht die Autorin nochmals in die Tiefe, die Charaktere werden dreidimensionaler und bekommen noch mehr Facetten. Dadurch wirken sie sehr authentisch und es fällt einem leichter, sich mit ihnen zu identifizieren. Die Art und Weise wie sich jeder einzelne von ihnen entwickelt, ist wie im echten Leben geschildert.
So wird nichts ausgelassen. Von Trauer, Schmerz, der ersten Liebe, Vernachlässigung der eigenen Eltern und lernen anderen zu vertrauen. Die verschiedenen Situationen des Lebens werden ziemlich genau an den Schreibstil angepasst, welcher flüssig und wunderschön sich durch das gesamte Buch zieht.
Es scheint sich zwar um keinen wirklich spannenden Roman zu halten, da die Stimmung eher emotional gehalten ist, dennoch gelingt es Stiefvater eine einzigartige Geschichte auf Papier zu bringen, die einen nicht mehr loslässt. Ich für meinen Teil bin mehr als begeistern von der gelungenen Fortsetzung und bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte von Sam und Grace ausgehen wird. Da es viele ungeklärte Fragen rund um die Wölfe gibt, fällt das Warten auf den Abschluss der Triologie „In deinen Augen“ sehr schwer, denn es ist noch fast ein Jahr hin, ehe dieser auf dem deutschen Markt erscheinen wird.

Fazit
Eine großartige Fortsetzung, die besser nicht hätte sein können. Stiefvater schafft es den Leser bei jedem einzelnen geschriebenen Wort mitten ins Herz zu treffen, was das Warten auf Band 3 ungemein erschwert. Ich kann euch nur eines raten: Kauft euch dieses Buch, denn sonst verpasst ihr wirklich etwas!

Kommentare:

  1. Eine sehr schöne Rezension, man merkt, wie nahe Dir die Geschichte geht. Aber mir erging es auch so .. es war tottraurig, aber genau richtig so und ich war auch sehr gefesselt von diesem zweiten Teil. Ich bin total gespannt, was es im dritten geben wird. Ich hoffe, er geht gut aus ...

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  2. Wow, tolle Rezension! :)
    Ich habe das erste Buch geliebt und habe auch volle Punktzahl verliehen. Bin schon gespannt auf den zweiten Teil. :)
    Würde mich freuen, wenn du mich auch ließt.
    :D :)

    Liebe Grüße,
    Lydia

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  3. Danke, ich freue mich! :)) Ja, das ist einfach so, obwohl wir bei diesem Buch anscheinend den gleichen Geschmack haben. ^^ :)
    Liebe Grüße,
    Lydia

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  4. @ Fabella:

    Ich hoffe auch sooo sehr, dass der dritte Band gut ausgehen wird. Aber irgendwie scheint das dritte Cover schon einiges zu verraten, da dort ein Junge und Mädchen Hand in Hand darauf zu sehen sind. Vielleicht interpretiere ich da auch zu viel hinein :D

    @ Lydia:

    Mir hat der erste Band ja auch schon total gut gefallen. Sam und Grace sind zwei faszinierende Charaktere :)

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